Eine Botschaft für den Alltag
Heute kamen in den Nachrichten
wieder Botschaften von Leuten
und Meldungen von Katastrophen,
die waren so ungeheuerlich,
dass ich, Vater zweier Kinder,
mit großem Schrecken gerne
der Welt davon gelaufen wäre.
Aber ich kann doch nicht einfach
verschwinden auf Nimmerwiedersehen!
Meine Frau war noch nicht zuhause
als die grausamen Bilder des Elends
von erster bis dritter Welt einschlugen
an unserem Tisch wie eine Bombe,
weil unsere Kinder zu dieser Zeit
gerade friedlich ihr Abendbrot aßen,
dass ich ihnen hingestellt hatte.
Aber ich kann doch nicht immer
jede traurige Realität vor ihnen verbergen!
Die Kinder schrien laut, als sie sahen,
dass in Afrika ihnen Gleichaltrige
verhungert waren aus großer Not.
Sie hielten sich gegenseitig die Ohren zu,
als Panzergranaten in Afghanistan
große Löcher in blutige Erde schlugen,
die dort ohnehin mit Leichen bestückt ist.
Aber ich kann doch nicht täglich alles
zum Guten kommentieren, was schlecht ist!
Meine Kinder aßen nicht weiter und
ich nahm ohne Schimpfen ihre Teller,
stellte sie in den Abwasch, ohne Klage.
Dann setzte ich mich zu meinen Kindern
und erklärte ihnen menschliches Handeln
als unmenschliches, folgenschweres Tun,
dass wir jeden Tag, zu jeder Stunde
zulassen, als es sei eine Errungenschaft.
Ich kann doch nicht immer nur lügen aus
sogenannt guten Gründen elterlicher Moral!
Meine Kinder sollen beizeiten begreifen,
dass die Menschen ihr einziges Streben
statt auf die Verbesserung ihres Lebens
stets darauf ausrichten, Mord zu begehen,
wie es auf unserer Erde kein anderes Tier
zu irgendeiner Zeit vollbringt aus Eigennutz.
Nur der Mensch berechtigt sich zum Töten.
Ich werde meine Kinder nicht lehren,
alles verklärter zu sehen, als es wirklich ist!
Ja, sie haben geschrien und haben geweint.
Der Bissen Brot ist in ihrem Halse erstarrt.
Trotzdem war es besser, ihnen zu zeigen,
was passiert, kommen Angst und Hass
die Menschen an ihren Tischen besuchen,
lähmen den Atem und ihren letzten Verstand.
Meine Kinder werden nicht mehr vergessen.
Ich fühle mich nicht als schlechter Vater,
weil ich zugelassen habe, dass sie verstehn.
Sollten heute Nacht ihre kleinen Bäuche
im Schlaf knurren, weil etwas Brot fehlt,
dass sie nicht mehr aßen, werden sie morgen
und für alle Zeit wissen, dass Unmenschlichkeit
anderen so weh tut wie dem eigenen Leibe.
Es wird dann hoffentlich sein, dass sie nie
in ihrem ganzen Leben daran denken wollen
auch nur einmal andern ein Stück Brot zu verwehren.
Später sprach ich mit meiner Frau darüber.
Sie fand gut, dass ich keinen Trickfilm gezeigt hatte.
by SKB 24.11.2009
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